Start Unken Geschichte

Unken Geschichte


Unken - Geschichte 10.000 v.Chr. / 1945 - kurz gefasst


Urgeschichte und Altertum

Aus der Altsteinzeit, 10.000 Jahre v. Chr., fünftausend Jahre nach dem Rückzug der Gletscher des Bühlstadiums vom Raum Melleck, entdeckt Mag. Helmut Adler in einer Halbhöhle am Oberrainknogel Steinklingen von Jägern. Die Klingen sind nach den Steingeräten der Schlenkendurchganghöhle bei Vigaun (40.000 v. Chr.) die ältesten Funde der Humangeschichte des Landes Salzburg und sind im Museum Festung Kniepass ausgestellt.
Artefakte aus der Bronzezeit (Urnenfelderzeit), um 1.200 v. Chr., Tonscherben vom Meislknogel, aus der Hallstattzeit um 800 v. Chr. verdanken wir auch H. Adler. Geräte aus der Zeit der Kelten und Römer mit dem Fundort Unken fehlen. Im Becken von Saalfelden siedeln nachweislich die Kelten und im Loferer Becken findet H. Adler römische Terrasigillatabruchstücke. 

Mittelalter

(Siehe auch gesonderter Artikel in der Seitennavigation)

In den Güterverzeichnissen BILD St. Peter des Klosters St. Peter (Notitia Arnonis und Breves Notitiae) ist aus der Zeit um 800 n. Chr. zu lesen, dass dessen Wälder im Saalachtal die Salinen in Reichenhall mit Holz versorgen. Die Wälder sind durch Wege erschlossen. (Verbindung zwischen den Sudhäusern in Reichenhall und den  Holzschlägen im Saalachtal sollen schon im 7. Jh. bestanden haben.)
Die Agilolfinger rufen als Herzöge der Bajuwaren Bischof Rupert, aus Worms kommend, ins Land. Im von ihm gegründeten Kloster St. Peter leben mit den eingewanderten Bajuwaren noch Romanen im Konvent.

Vom 6. bis zum 9. Jahrhundert erfolgt „außer Gebirg“ die bajuwarische Besiedlung. Unter EB Hatwik (991 – 1023) beginnt  im 10.Jh. „inner Gebirg“  die  zweiten Kultivierung im Erzstift Salzburg, womit auch der Raum Unken im Saalachtal  gerodet und  für landwirtschaftliche Nutzung erschlossen  wird. Schon vor mehr als drei Jahrhunderten beziehen die Reichenhaller Salinen Holz aus den St. Petrischen Schwarzwäldern. (s. o.)

Aus den Salzburger Urkundenbüchern
Die unten genannten Orte und Güter sind in Dokumenten bzw. Schenkungen angeführt, d. h. sie bestehenn schon Jahrzehnte oder Jahrhunderte zuvor.

Im 10. Jd.  976 zwei Höfe zu rinte (in Reith),
im 11. Jh. 1000 Kirche in Saalfelden, 1036 Kollegiatstift St. Zeno / Reichenhall, 1080 Kapelle in St. Martin, ?? ein Gut in Hallenstein für Salzbetrieb in Reichenhall,
im 12. Jd. 1137 sechs Waldhöfe in Unchen von EB Konrad  I. an das Stift Reichersberg übergeben, Kalchofengut  1156 das Gut Pfannstatt wo Salzquelle, 1160 in Weißbach das Gut Wisenbacher  an das Domkapitel übergeben, 1175 (?) Strohwolln genannt, 1175 (?) Wildental genannt, 1186 schenkt EB Adalbert II. dem Stift St. Peter ein Gut, woselbst die Salzgrube (Unken-Pfannhaus), 1188 Kirche in Saalfelden, 1188 Lofer, Gut in Faistenau, 1190 Kirche  St. Martin,
im 13. Jd. 1222 Hube in Lenzing, 1228 Lofer genannt, 1228 Pinzgauer Lehen dem Erzstift Salzburg einverleibt, 1228 Lichtenstein Sitz eines Pflegers, Mitte des 13. Jhd. Saalfelden Markt, 1281 Pfleger auf Luftenstein, 1299 Kirche Saalfelden Bistum Chiemsee inkorperiert,
im 14. Jd. 1303 Pfarre St. Martin zu St. Zeno inkorporiert, 1325 Grubhof von Heinrich Gruber verkauft, 1330 Gotteshaus in Lofer, 1350  chniepoz (Kniepass) genannt, Mitte 14. Jhd. Saalfelden Markt, 1353 Kirche der Kreuztracht Unken (Die räumliche Zusammenfassung der Güter zu Kreuztrachten, bzw. zu Rotten und Zechen besteht seit dem 14. Jd.)

1380 Sodergut am Unkenberg  und 1400 das Moargut und das Wimmergut im Hintergföll festgeschrieben.

1156 regelt Erzbischof Eberhard I. das Salzwesen in Reichenhall mit Zuordnung von Pfannen an das Stift St. Peter, das Domkapitel, und das Stift Nonnberg.
1234 einigt sich  Erzbischof Eberhard II.  mit Ludwig I. der Bayer als Lehensträger der Grafschaft Reichenhall, von Salzburg anerkannt, über  die Holzbezugsrechte im Saalachtal. Mehrere Sudhäuser sind noch im Salzburgischen Besitz.
1285 werden vom Erzbischof Rudolf I. und dem Bayernherzog Heinrich XIII. die Rechte an Holz im Saalachtal erneut festgehalten.
Ende des 13. Jahrhunderts sind die Bayernherzöge alleinige Besitzer der Sudrechte in Reichenhall. 70 Pfannen sind im Betrieb, mit Holz aus eigenen Schwarzwäldern im Saalachtal versorgt.

Siedlungsraum Unken / Reith

Nach der Quellenlage und der Lage der Gehöfte und der Flur schließt A. Klaar, dass im 10. Jh. im mittleren Saalachtal die große Rodungstätigkeit einsetzt. Im 11. und 12. Jh., im Hochmittelalter, dürften die Rodungen der Wälder und die Besiedlung der Talschaften ihren Höhepunkt erreichen.
In der Saalachweitung Unken entwickelt sich eine planmäßige Siedlungslandschaft, ein geordnetes Siedlungssystem von Streusiedlungen mit Kleinweilern, Rotten und Einzelhöfen bzw. Einödhöfen, mit der Hausform Einhof und der Flurform Einödflur gleicher Hof- und Flurgröße. Die Rodungen und Siedlungen sind Ergebnis einer grundherrschaftlicher Kolonisation ohne Eigenmächtigkeit der Siedler.
Die bäuerliche Kultivierung des Saalchtals wird durch das starke Wachstum der Bevölkerung im Erzsift ausgelöst.

Grundherrn sind das Erzstift Salzburg, das Domkapitel,   die Stifte  St. Peter, Nonntal,  St. Zeno, Berchtesgaden, Höglwörth und Reichersberg. (Die Urbarien, d. h. die Steuerbücher der Grundherrn werden im 13. und 14. Jahrhundert angelegt,)

Die Seelsorge, das Lesen der Messen in der Mutterkirche St. Martin und in den Kirchen in Lofer im Saalachtal und Unken obliegt dem bis zur Auflösung 1803, den Stift der Augustiner Chorherrn  St. Zeno in Reichenhall (gegr. 1036).

Naturräume und Siedlungen der Saalachweitungen in Unken und Reith

(Ein Blick auf die  Österreichische Karte 1: 25.000, Aufnahme 1950, Bl. 92/1, 92/2, 92/3, 92/4 und die Katastermappen von Unken, Göll und Reith, Erstvermessung 1830, erschließt die durch Naturräume bedingten Siedlungsräume.) 

  1. Der unterste Gsenghang mit den Einzelhöfen Reitbauer,Ennsmann, Lummer, Schilcher und Pichler.
  2. Der große Schwemmkegel des Unkenbachs und die obere Saalachterrasse mit  den Einzelhöfen Lohweber, Leitgebgut (Kirchenwirt), Egger, Hölzl, Flatscher, Kalmbach, dem Kleinweiler Boden: Percht, Kalchofen, Fritz, Schrempf, dem Einzelhof Seidl (Oberrain), der Rotte Aschl, Falterbauer, Unterhager, Heistl und Fuchs.
  3. Die sanften Hügel am Fuß des Achbergs mit den Einzelhöfen Fellner, Achner, Punz und Möschl (?).
  4. Die untere Flussterrasse und die Talniederung der Saalach, rechts der Saalach die Einzelhöfe Köstler und Schwaiger; links der Saalach die Rotte bzw. die Einzelhöfe Neuhauser, Post, Harmbauer, Lackner und Eder.
  5. Die Hänge des Unkenberges mit der Rotte bzw. den Einzelhöfen Pfannhaus, Meisl, Hagen, Götz, Grabner, Niederberger, Datzen, Brenner, Hoisn, Haitzmann, Soder und den Einödhöfen Kecht und Hengstloch.
  6. Die steilen Hänge des Sonnberges bzw. vom Vorder- und Hintergföll mit den Einzelhöfen Kreuzer, Brandner, Beibl, Edmader, Kühler, Brandl, Angerer, dem Einödhof Bauregger, den Einzelhöfen Lutz und Neuhäusl sowie den Einödhofen Herbst, Schneiderbauer und Angerer.
  7. Vom Hintergföll  die Einzel- bzw. Einödhöfe Rieger, Geistler, Wimmer, Leitinger, Scheiber, Schmiederer, Hinteregger, Moar und Hochegger. 
  8. Die  Saalachniederung in Reith mit den Einzelhöfen, Wieser und Dietz.
  9. Die obere Flussterrasse in Reith mit dem Kleinweiler Reitherdörfl: Reitermüller, Berger, Ulinger, Asinger, Stefflinger und Weber.
  10. Der Innersbach- und Donnersbachschwemmkegel mit der Rotte Heistl, Pichler, Hochmoar und Sichler.
  11. Die Hänge Donners- und Innersbach mit den Einzelhöfen Foischinger, Walcher und dem Einödhof Hochreit.


Der Kleinweiler Boden dürfte der Siedlungskern in der Saalachweitung Unken und der Kleinweiler Reiterdörfl in der Saalachweitung Reith sein.

Almen im Mittelalter

Die Quellenlage zu den Almen, der Nieder- wie der Hochalmen, ist dürftig. 1346 wird die Kallbrunnalm / Weißbach b. L. genannt (1996, 650 Jahrfeier). Verbriefte Almrechte der Zeche Gföll scheinen 1405 auf.
Die Freialmen oberhalb der nach unter gedrückten Waldgrenze dürften schon im Hochmittelalter angelegt worden sein, die Almen in den Maisen der Hoch-und Schwarzwälder später (s. u.).

Neuzeit

16. Jahrhundert

Nach einer Abschrift der 1522 unterfertigten Verkaufsurkunde (Original aus Pergament und gesiegelt, verschollen) des Reichenhaller Salzherrn Adlolf Schweinböck gelangen durch Verkauf drei Güter in Unken: Oberstadl (Lutz), Kalchofen und Krepper (Schmiedrupp) in das Eigentum der Kirche St. Jakob. (Die Kirche St. Jakob wird Besitzer der Höfe, jedoch nicht deren Wiesen, Felder und Wälder, die sind weiterhin Eigentum des Landesherrn).

Im Mühldorfer Vertrag vom 14. Oktober 1524 zwischen EB Kardinal Matthäus Lang und Herzog Ludwig X. von Bayern werden die verlackten Hoch- und Schwarzwälder im Unkental und die Wälder in Reith namentlich festgehalten.
Rechtsseitig des Unkenbachs gesamt elf: Weißbach, Vorderödenbach Mähder und Alpe Ganis, Hinterödenbach, Fußbach, Schwarzberg, Hochrudersbach, Brunnbach, Luegbach mit Neustalln, Schliefbach mit Gern Scheibelberg und  linksseitig des Unkenbachs gelegen gesamt acht: Dürrnbach, Martinsbühel, Wielandsbach, Laubenberg, Reitkendl, Prunzberg, Ochsenbrunn und Fischbach. Bayerische freieigene Wälder rechts der Saalach: Donnersbach, Schrammbach, Illersbach und Innersbach.

(1812, Salzburg ist ein Teil des bayerischen Salzachkreises, sind diese Wälder erstmals in einer Karte des königl. Landgerichts Lofer festgehalten. Die erste topografische Karte des Landes wird 1805 im kurfürstlichen Mappierzimmer in der Residenzstadt Salzburg erstellt.) 

1526/29, unter EB Matthäus Lang, regelt das Salzburger Waldbuch das Waldrecht. Im Waldbuch weist auch die Güter, Sollhäusl, Gütl und deren Almen von Unken, St. Martin, Waidring und Reit im Winkl aus (s. a. a. O.).

17. Jahrhundert

1614 lässt EB Markus Sittikus die Straße beim Rossknogel mit einer Länge von 300 Schritt durch Felssprengungen auf ein höheres Niveau zur Saalach verlegen.
Im Dreißigjährigen Krieg 1618-1648 sichert EB Paris Lodron auch in Unken die Grenzen des Erzstifts. Von 1644 bis 1648 werden beim Kniepass eine Festungsanlage und ein Jahrzehnte zuvor ein Straßentor beim Steinpass erbaut. (Die Schweden stoßen nicht über München nach Salzburg bzw. nach Unken vor.)

18. Jahrhundert
Ende der 1730er Jahre erhält das neu gegründete Vikariat St. Jakob des Klosters St. Zeno im Kirchgraben ein Haus für den Vikar und ein Stöckel für den Hilfspriester, (Unken 1, Grießer und Unken 2, Ortner). Zwei Jahrzehnte später, 1756, brennt mit dem Mayrwirtshaus (Niederland 3, Kirchenwirt) die Kirche St. Jakob zur Gänze ab. In wenigen Jahren wird das neue Gotteshaus westlich dem erhalten gebliebenen Kirchenturms angefügt. Die Einweihung erfolgt im Jahr 1760 durch EB Sigismund von Schrattenbach. Der neue Sakralbau unterscheidet sich durch seine Größe und Gestaltung wesentlich vom Vorgänger; mit der barocken Turmhaube, den drei Altären, den zwei Emporen und den im Rokokostil angefertigten Stuckaturen des Deckengewölbes.
Die Schwarzbergklamm ist seit 1776 (?) begehbar. Der Steg dient vorerst nur der Trift. (In der 2. Hälfte des 19. Jhd. zählt die Klamm zu den mit Pferdegespann besuchten Naturschönheiten Unkens).
In der Beschreibung des Erzstifts Salzburg von Dr. Lorenz Hübner, 1796 wird mit dem Pfleg- und Landgericht Lofer das "Dorf" Unken festgehalten, davon u. a. das Posthaus mit Stallungen, wo Pferde nach Salzburg oder nach Waidring gewechselt werden können, das Wirtshaus Oberrain und das Schüttergut, dessen Bäder von den Nachbarn häufig besucht werden und gegen Gicht, Gliederreißen, Steifigkeit und Lähmungen Heilung bringen sollen. Genannt sind die Zechen Bodmer mit 22, Gföllerhäuser mit 28, Niederländer mit 29 und Reiter mit 15, alle gesamt mit rd. 100 Häusern. Als Geistliche sind ausgewiesen der Vikar und dessen Hilfspriester, als Schullehrer einer. Von 1760 bis 1875 wird im Mesnerhaus Unterricht erteilt, erst in einer Klasse und nach Vergrößerung des Mesnerhauses in zwei Klassen.

19. Jahrhundert
Zur Wende vom 18. zum 19. Jh. wird die Schönheit der Natur entdeckt. Salzburg durchwandern und beschreiben Persönlichkeiten wie Dr. Lorenz Hübner (s. o.), kaisl. königl. Rath (Titel 1816), Dr. Franz Michael Vierthaler, Schulmann, Graf Friedrich Spaur, Domherr zu Salzburg, Offizial Benedikt Pillwein, und Josef Ernst Ritter v. Koch - Sternfeld, Geograf und Historiker. Die Alpen, mit Unken, werden Reiseziele.
F. M. Vierthaler schildert 1816 seinen Aufstieg auf das Sonntagshorn (s. u.). Er beschreibt das Almdorf Hochalm mit seinen dreißig Almhütten und nicht zum ersten Mal den Staubbachfall im Heutal. Die Heilkraft des Wassers beim Schütterbad ist bekannt, ebenso der Salzwasserquelle beim Pfannhausgut. F. M. Vierthaler hält eine Sage der Vorvorderen fest: „Wenn es einmal den Salzarbeitern zu Reichenhall zu hart geschehe, würde ein Salzwerk in Unken entstehen, und ein Pfanne auf der Kronaweds (Kramerwirtsau) den bedrängten zum Troste erbaut werden.“
Der Wandel in der Landschaftsbeschreibung kann durch einen Vergleich der Beschreibung Unkens 1796 und 1816 aufgezeigt werden: 1796 schreibt F. M. Vierthaler: „Es ist das erste Pfleggericht des Salzburgischen Gebirgslandes auf der Seite Bayerns: der Eingang und der Schlüssel zum Pinzgau. (…) Hinter diesen schaurigen Gebirgen sieht man hier und dort hohe Bergspitzen, schroffe Klippen, kahle Felsen hervorragen (…). Man wundert sich daher nicht, auch die Bewohner dieser Gegend ernsthaft, und in sich gekehrt zu finden.“ Im Vergleich dazu 1816: „Das bayerische Meer, der Chiemsee, lag von den Strahlen der hohen Sonne beleuchtet, vor uns im Silberglanze da“. Ein ähnliches Ergebnis zeitigt der Vergleich der Beschreibungen des Staubachfalls 1796 und 1816.
1839, noch zur Zeit, in der Salzburg dem Erzherzogtum Österreich ob der Enns angefügt ist (s. u.), weist Benedikt Pillwein, Offizial der kaiserl., königl. Staatsbuchhaltung Linz, über Unken statische Zahlen aus. Unken zählt 32 Häuser, 44 Wohnparteien und 207 Einwohner. (Diese Zahlen dürften sich auf die 1830 neu geschaffene Katastralgemeinde Unken beziehen.) Die um 1807 vergrößerte Schule wird von rd. 120 Kindern besucht. In zwei Stunden Fahrt von Lofer, vier von Reichenhall und acht Stunden von Salzburg wird die Poststation erreicht. In einer Stunde gelangt der Reisende zum Staubbachfall. Die Fahrzeit zur Schwarzbergklamm wird nicht angeführt (s. o.).

Im 2., 3. und 5. Koalitionskrieg, in den Franzosenkriegen 1800, 1805 und 1809 finden im Raum Unken schwere Kämpfe statt. Friedhof, Steinpass, Melleck und Bodenberg sind die Orte, wo die Schützen von Unken, Lofer und Tirol gegen die angreifenden Franzosen bzw. Bayern heftigen Widerstand leisten. Trotz der für die heimischen Verteidiger erfolgreichen Kämpfe müssen heimischen Krieger in all den Jahren 1801, 1805 und 1809, ihre Waffen als Besiegte niederlegen, denn das Österreichische Heer unterliegt an anderen Orten stets dem Heer Napoleons in Hohenlinden, in Austerlitz oder in Wagram.

1803 wird das Erzstift Salzburg ein Kurfürstentum, 1806 ein Herzogtum des jungen Kaisertums Österreich. 1810 wird Salzburg als ein Teil des Salzachkreises dem Königreich Bayern zugeordnet. St. Jakob / Unken wird 1812 eine eigene Pfarre. Für die Seelsorge sorgen weiter die Augustiner Chorherrn (s. o.), wenngleich das Stift St. Zeno seit 1803 aufgelöst ist.
Von 1816 bis zum Revolutionsjahr 1848 ist Salzburg als Salzburgkreis dem Erzherzogtum Österreich Ob der Enns angegliedert. (An diese Jahre erinnert die Grabstätte im Ortsfriedhof für den Statthalter und Regierungspräsidenten von Oberösterreich, Freiherr von Skrbenbsky.
Die Wälder im Unkental und Reith sind nicht mehr bayerischer Besitz. Von 1816 bis 1829 wird kein Holz nach Reichenhall getriftet. Bayern will nachhaltig wieder in den Besitz der Wälder gelangen. 1821 wird der Tausch der Zechen Gföll, Unkenberg, Boden und Niederland gegen Gebiete westlich des Untersbergs nahe Reichenhall angestrebt. Letztlich kommt es 1829 zum Abschluss der Salinenkonvention. Auf k. und k. österreichischem Gebiet  gelangen 18.000 ha mit 12.000 ha nutzbarer Waldfläche in das Eigentum des Königreichs Bayern; in den Unkener Zechen Niederland, Gföll und Reith mit den Schwarzwäldern auch siebzehn Almen von Gütern in Unken, St. Martin, Waidring und dem benachbarten Bayern.

1848 wird Salzburg als Herzogtum ein eigenes Kronland,. 1849 bilden die Zechen Boden, Niederland, Unkenberg, Gföll und Reith, bzw. die Katastralgemeinden (seit 1830) Unken, Gföll Reith die Ortsgemeinde Unken. 1861 erhält die Ortsgemeinde als Gebietskörperschaft die Gemeindeautonomie.

Im März 1848 flieht ein Teil der kaiserlichen Familie von Wien zum Hof nach Innsbruck. Bei der frühen Rückfahrt im Mai d. J. beginnt es in Unken, nahe Salzburg, zu regnen. Maria Anna Caroline v. Sardinien-Piemont, die Gemahlin des Kaisers Ferdinand (Onkel Franz Josef I.), erbittet sich beim Gasthof Post einen Regenschirm. Gleich nach ihrer Ankunft in Wien geht von dort eine Eilpost nach Unken. Ein rubinroter Glaspokal steht heute wohl verwahrt im Safe des Familien-Erlebnis-Hotels-Post.

Die Beschreibungen des Raums Unken zu Beginn des 19. Jahrhunderts (s. o.) machen Unken bekannt. Ab den 1840er- Jahren erscheinen Ansichten als Kupfer- und Steindrucke von der Schwarzberg-Klamm, von Melleck, vom Gasthof Post, vom Dorf, davon zwei verschiedene, vom Bad Oberrain. Kleine Broschürchen laden zur Erholung und zu Wanderungen in Unken ein. Der Ort scheint in den meisten „Führern von Salzburg“ auf. Auch in diesem Dorf wird, wenn auch sehr bescheiden, der Fremdenverkehr ein Wirtschaftsfaktor. 1864 (?) erhält Unken nach dem Beschluss des Landesausschusses die Bezeichnung Bad Unken. Drei Häuser: Oberrain, Mittertavern (Kramerwirt) und Unterrain, der Gasthof Post, bieten preiswerte Zimmer an. Zu Oberrain gehört  einen ansehnlicher Grundbesitz mit 40 Kühen und 10 Pferden. Die Pferde werden  vor allem zu den notwendigen Vorspanndiensten bei Lastenfuhren hinauf zur Ebene Oberrain eingesetzt. Nikolaus Rainer baut das Bad großzügig aus. Das Projekt einer Soleleitung vom Pfannhaus nach Oberrain gedeiht nur bis zur Vermessung. Er und die Familie Mayrgschendtner vom Gathof Post sind die sind die Investoren den sich stetig entwickelnden Fremdenverkehr. Unken erhält einen Tennisplatz in der Fellner Au, eine Kastanienpromenade westlich Oberrains, einen Gastgarten mit Baumbestand beim Gasthof Post, (noch stehen die Bäume) und Spazierwege, u. a. an der Saalach in der Josephie Au. Ruhebänke werden aufgestellt. Bei der Löwenquelle (1842) lädt ein „Pavillon“ zum Verweilen ein. Gäste können mit Trägern zu günstigem Tarif auf die Hochalm und auf das Sonntagshorn gelangen. Offen ist das Gründungsjahr des Fremdenvereins Unken, FV–Unken. (Einschlägige Veröffentlichungen können im Dorfarchiv eingesehen werden.)
1875 neue vierklassige Voksschule nach dem Reichvolsschulgesetz 1869

20. Jahrhundert
Unken verliert zu Beginn des Jahrhunderts das Prädikat Kurort.
In den Jahren von 1898 bis 1914 bestimmt ein Eisenbahnvorhaben den Raum. Von Salzburg über Unken und Lofer soll eine Linie nach Saalfelden und eine nach St. Johann in Tirol gebaut werden. Nach dem I. Weltkrieg (1914 – 1918) wird das Vorhaben nicht mehr verfolgt.

Nach Unken kehren aus diesem Krieg über achtzig Soldaten nicht mehr heim. Viele fallen in den italienischen Alpen.
Mit Ende des Krieges besteht der Doppelstaat Österreichisch - Ungarische Monarchie nicht mehr. In Wien wird am 12. November 1918 die Republik Österreich ausgerufen.

Schlimm sind weiter die  folgenden Jahrzehnte. Viele Bauern, vor allem im Gföll, stehen vor dem „Aufhausen“ (Konkurs). Unken wird von der Propaganda der Nationalsozialisten, vor allem aus  Bayern, bedrängt. Jenseits der Grenze von Melleck schallen aus Lautsprechern  Hitlerparolen und Marschmusik. Viele, auch Frauen, sind als „Illegale“ aktiv. Familien sind gespalten  in „Schwarz“ und „Braun“, wie die des Verfassers. Schon im April 1933 wird Adolf Hitler Ehrenbürger von Unken. (Ein Festabzeichen anlässlich dieser Ernennung befindet sich in privater Hand.) Die Überreichung der Urkunde erfolgt 1938. Bei der Volksabstimmung im April 1938 stimmten 99.9 % für den Zusammenschluss von Deutschland und Österreich.
Österreich verliert seine Selbständigkeit und ist Teil des Großdeutschen Reichs.

Im II. Weltkrieg kämpfen nahezu vierhundert Männer in den Ländern vom Nordkap bis zur Mittelmeerküste Afrikas, von Brest in der Bretagne bis Stalingrad an der Wolga. Nahezu an die hundert kehren von dort nicht mehr heim. Ein Heldenhain, schon 1943 im Dorf angelegt, erinnert an die Gefallenen. In der Friedhofskapelle sind auf fünf Marmortafeln alle Namen der toten Helden des I. und des II. Weltkriegs festgehalten, ebenso die Länder, in den sie ihr Leben lassen mussten.

In der ersten Maiwoche 1945 endet in Unken der II. Weltkrieg. Am 6. Mai kapituliert die Heeresgruppe Süd im Saalachtal, befehligt von Feldmarschall Albert Kesselring,. Noch am 5. Mai schießt die SS von Unken Granaten Richtung Bad Reichenhall, davon schlägt eine in der Küche vom Schneizlreutherwirt ein. (In einem Schrank können noch heute Spuren gesehen werden.) In Baumgarten westlich von Bad Reichenhall stellen die Amerikaner Geschütze auf und schießen Richtung Unterjettenberg. Drei Soldaten der Deutschen Wehrmacht und acht französische (!) Soldaten (Marokkaner) verlieren noch ihr Leben.  Die deutschen Gefallenen finden im Friedhof von Schneizlreuth die letzte Ruhe, die französischen nach der Exhumierung in Frankreich. Beim Sprengen der neuen Saalachbrücke kommt  der Bürgermeister von Schneizlreuth ums Leben. Eine Tafel nahe der gleich wieder aufgebauten Brücke erinnert  daran.
Am 8. Mai fahren hunderte US-Trucks der 101. Fallschirmdivision von Inzell kommend, die beiden Saalachbrücken in Jettenberg sind gesprengt, in das Saalchtal. Fünfzig oder mehr parken im mit Getreide bestellten Eggerfeld nahe beim Friedhof. Zahlreiche Bauernhöfe müssen für die GI geräumt werden. Im Schloss Oberrain zieht die Kommandantur ein. Anfang Juni wird die 101. US-Fallschirmdivision von der Regenbogendivision abgelöst. Ihr beim Kniepass an die Felswand gemaltes Divisionszeichen, der Rot-Gelb-Blaue Regenbogen, wird vom Museumsverein Festung Kniepass - Unken als geschichtliches Mal stets sichtbar gehalten.

Österreich ist wieder ein selbständiger Staat, jedoch von Militärs der USA (Unken), GB, Frankreichs und der UdSSR bis Oktober 1955 besetzt. (15. Mai 1955: Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrags in Wien.)


Schrifttum
Fellner, NL 25 – Seite 636, Salzburger Landesarchiv
Friedl, J., Das bäuerliche Unken, Höfe- und Familienchronik, Hg. Gemeinde Unken, Unken 2000 (Festschrift 850 Jahre Unken)
Hohenwarter, L., S. Schmied, Bei uns in Unken, Hg. Gemeinde Unken, Unken 2000 (Festschrift 850 Jahre Unken)
Hübner L., Beschreibung des Erzstifts und Reichsfürstentums Salzburg in Hinsicht auf Topographie und Statistik. Zweiter Band. Das   Salzburger Gebirgsland. Pongau, Lungau, Pinzgau. Salzburg 1796
Klaar, A., Die Siedlungsformen des Landes Salzburg, Wien 1937
Koller, E., Forstgeschichte des Landes Salzburg, Salzburg 1975.
Lang, J.- Neue Wege aus der Energiekrise, Saalforste und Holztrift im Dienste der Saline Reichenhall (Teil I), in: Heimatblätter, Beilage von „Reichenhaller Tagblatt“ und Freilassinger Anzeiger“, Nr. 2, 76 Jg., Bad Reichenhall 2008
Leitinger J., Almen in Unken, in: Kniepass – Schriften H. 26 / 2008
Leitinger J., Festung Kniepass und Kriege, in: Kniepass – Schriften H 28 / 2008
Martin F., Die Denkmale des politischen Bezirkes Zell am See, Österreichische Kunsttopographie 25,  Wien 1934
Martin F., Festschrift Mitteilungen der Salzburger Landeskunde, Sonderband 5, Salzburg 1965
Pillwein B., Geschichte, Geographie und Statistik des Erzherzogthums Österreich ob der Enns und des Herzogthums Salzburg, Fünfter Teil: Der Salzburgkreis, Linz 1839
Salzburger Urkundenbuch Bd. 1, 2, 3 und IV, Salzburger Landesarchiv
Spaur F., Spaziergänge in den Umgebungen von Salzburg, Salzburg 1813
Vierthaler F. M., Geographie von Salzburg zum Gebrauch in unseren Schulen, Salzburg 1796
Vierthaler F. M., Meine Wanderungen durch Salzburg, Berchtesgaden und Österreich, Wien 1816
Zillner F. V., Salzburger Kulturgeschichte in Umrissen, Salzburg 1871 

Verfasser: Prof. Josef Leitinger (ehem. Obmann und Kustos des Museumsvereins Unken)