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Unken Besiedlung im Hochmittelalter

Unken Besiedlung im Hochmittelalter


Mittelalter Kurzfassung

Im frühen Mittelalter (7. bis 10. Jh.) ruft um 690 der Baiuwarenherzog Theodo I. aus dem Herrschergeschlecht der Agilofinger Bischof Rupert aus Worms nach Regensburg zur Missionierung des südöstlichen Alpenraums. Rupert errichtet  im verlassenen römischen Opidum Juvavum am Fuße des Mönchsberges ein Kloster. Der Konvent vereint zu Beginn bajuvarische und romanischen Mönche. Das Kloster St. Peter wird von den Agilofingern  mit Wälder  im Salzachtal, im Saalachtal und mit Salinen in Reichenhall beschenkt.                                                                            
Bonifatius gründet 738 das  Bistum Salzburg.  Die Äbte des Klosters St. Peter sind auch Bischöfe der Diözese. Unter Bischof Arn wird 798 Salzburg zur Erzdiözese erhoben.                           
Im Hochmittelalter (11. bis 13. Jd.) trennt EB Friedrich I. 987 das Kloster St. Peter von der Kirche Salzburg. Von den  gemeinschaftlich genossenen Gütern bleibt  dem Kloster ein bescheidener Anteil u. a. zwei Salzpfannen in Reichenhall. Der Großteil  der Schenkungen der Herzöge, wie die Wälder im Saalachtal, bleiben im Eigentum der Kirche Salzburg, sind Besitz des Erzstifts Salzburg.
1228 werden die Reichslehen Mitter- Unterpinzgau und Oberpinzgau des Herzogtums Bayern dem Erzstift Salzburg verliehen. Bis 1260 besitzen  die Plainer Grafen das Saalach- und Salzachgebiet mit den Nebentälern als Afterlehen.
Erst im Spätmittelalter (14. und 15. Jh.), ab 1328 ist der Erzbischof Landesfürst und  alleiniger Herrscher des Reichsfürstentums und Erzstiftes Salzburg.



Landnahme, Siedlungseinheiten und Güter, Grundherrschaften

Um 1000 beginnt unter EB Hartwik  die umfangreiche Rodung und Besiedlung im Saalachtal. Die Kolonisierung erfolgt  durch die Erzbischöfe als Grundherrn planmäßig, das sichert eine ausgeglichene Zuteilung von Grund und Boden an die Grundholden. Die Vergrößerung des Siedlungsraumes im Erzstift ist durch die starke Bevölkerungszunahmen bedingt. Die Siedler, gegen siebzig Familien (?), dürften aus den alpinen Raum der Erzdiözese stammen.
Ein Blick auf die Katastermappe von 1830 (erste kartographische Erfassung der Grundstücke) erschließt die geregelte Zuteilung der Rodungsflächen bzw.  die geregelte Verteilung von Hof und Flur in den einzelnen Siedlungsgebieten.
Bevorzugt dürfte zu Beginn die große  Ebene des Unkenbachschwemmkegels, der Boden, gerodet und besiedelt worden sein. Ein Kleinweiler mit den vier Gütern Schrempf, Fritz, Kalchofen und Percht, die anschließende Rotte mit  Aschl, Falter, Unterhager, Heistl und Fuchs, die Einzelhöfe am Schemmkegelrand Hölzl und Oberrain und auf der linken oberen Saalachterrasse die Güter Flatscher, Kaltenbach (Forsthaus) bilden  möglicher Weise den ersten geschlossenen Siedlungsraum  von Unken.
Geeignete Voraussetzungen für eine weitere Siedlungseinheit bieten die Gsenghänge im untersten Bereich und die anschließenden Schwemmkegelreste für die  Rotte  Egger, Kirchenwirt, Lohweber, Reit, Plaickpoint, Ennsmann, Lummer, und Pichler und am Fuß des Achbergs, die  Moränenhügel und die rechtseitige  Saalachterrasse  für Rotte Fellner, Achner, Punz und Möschl. Weiters die linkseitige untere  Saalachterrasse mit der Rotte Neuhauser, Post, und die hochwassergefährtete Saalachniederung mit der Rotte Harm, Lackner, Werfer und Eder, bzw. rechtsseitig  mit den Einödhöfen Köstler und Schwaiger..
Im Westen eignen  sich die sanften Hänge des Unkenbergs als Siedlungsraum für die Rotte Maisl, Pfannhaus, Hagen, Götz,   Graber (?), Datzen(?), Niederberger (?)  Brenner (?) , Hoisen,  Haitzmann, Soder und den Einödhöfen  Kecht und Hengstloch. Die Rodung für die Liedersberger Futterhöfe dürfte erst in der Neuzeit erfolgen.
Siedlungen in Extremlage entstehen auf den  steilen jedoch nicht felsigen Hängen des Sonnbergs, Vordergfölls und Hintergfölls. Siedlungseinheiten sind am Sonnberg die Rotte Brandner, Beibl, Emater, Brandl, Angerer und die Einödhöfe Gebl, Bauregger und in Vordergföll die Einödhöfe Herbst, Schneiderbauer und Angerer. Ob Hintermühl, Kreuzer, Rausch, Neuhäusl und Lutz auch im Hochmittelalter entstehen bleibe offen.
Der Siedlungsraum Hintergföll mit der Rotte  Geistler, Moar Wimmer, Leitinger, Hinteregger, Schmiederer, Scheiber und den Einödhöfen Rieger und  Hochegger gliedert sich in zwei Flureinheiten. Auf den steilen Hängen der Sonnseite des Unkentals liegen die Fluren in unmittelbarer Nähe  zu den Höfen und westlich auf den höher gelegenen Mahder, von den Höfen weit entfernt. Die Frage der Futterhöfe ist offfen.

Die Landnahme dürfte im Hochmittelalter großteils zum Abschluß gekommen sein. Siedlungen im Spätmittelalter sind jedoch nicht auszuschließen, gleich die  Teilungen von Huben oder Halbhuben.

Die sechs Siedlungsräume in Unken mit den mehr als fünfzig Gütern  bilden im 14. Jh. die  Kreuztracht Unken (1353 Kirche St. Jakob), bzw. die Zechen  Boden, Niederland, Unkenberg und Gföll, heute die Ortschaften Unken, Niederland, Unkenberg und Gföll.
Durch die Talenge Kniepass (1350 chniepoz) getrennt, liegt südlich davon die Siedlung Reith. (979 in ruite)
Auf der Schemmkegelebene des Innersbaches dürften der Weiler Berger, Uhlinger, Asinger, Stefflinger, Weber, Reitermüller und die Rotte Moar, Pichler und Hofmoar  das älteste Siedlungsgebiet sein. Darüber in Hanglage stehen die Einzelhöfe Foischinger, Walcher und der Einödhof Hochreit und in der hochwassergefährteten Saalachniederung die Einzelhöfe  Wieser und  Dietz.


Im 11. Jh. ist  das Erzstift (Hofurbar)  alleiniger  Grundherr. 1137 wird das Stift Reichersberg mit sechs Güter in Unchen (erste urkundliche Nennung Unkens), und in den folgenden Jahrzehnten das Stift St. Peter (1156 Pfannstatt wo Salz) in Unken und Reith mit neun, die Augustiner Chorherrn Stifte St. Zeno mit fünf, Höglwörth mit sieben, Berchtesgaden mit sieben, die Stiftung Lodronkollegialität mit  drei und das herzogliche Urbar ebenfalls mit drei Hofstätten von den Erzbischöfen belehnt.   Rd. siebzig  Güter sind im Spätmittelalter Eigentum von  sieben Grundherrschaften.
Die Erschließung des Heutals und Nutzung von Almen, ob Einzel- und  Gemeinschaftsalmen bzw. Mais- und Freialmen bleibe offen. (1405 verbriefte Almrechte der Zeche Gföll)
Gegen fünfzig Güter, Gütl und Söllhäusler entstehen in der Jahrhunderten der Neuzeit, vor allem in 16. und 17. Jahrhundert.
Das  heutige Siedlungsgefüge gleicht letztlich dem des Mittelalters. Die Neubauten des  20. und 21. Jahrhundert stehen auf den im 11. und 12. Jahrhundert  gerodeten Fluren.



Klöster (Stifte, Abteien, Propstein) und Orden

Die im Früh- und Hochmittelalter gegründeten Klöster und Kapitel sind Stiftungen weltlicher und geistlicher  Grundherrn. Dem Konvent der Benediktiner steht der Abt, dem Kollegium der Augustiner-Chorherrn der Propst vor.

EB Konrad I. gründet das Augustiner-Chorherrnstift Höglwörth (1129) und St.Zeno (1136) Er wandelt mehrere Klöster zu Augustiner-Chorherrnstifte um, dazu zählen in der Erzdiözese    das Domstift zu Salzburg, die Stifte Reichersberg (Diözese Passau), Herrenchiemsee, Gurk, Seckau u. a. Das Chorherrnstift Berchtesgaden entsteht schon 1102.

Die Ordenszugehörigkeit der ältesten Klöster, des Benediktinerstifts St. Peter, des Benediktinerinnenstifts Nonnberg und  des Benediktinerstifts Michaelbeuern ändert EB Konrad I.

Dem Stift St. Zeno der Augustiner Chorherrn obliegt auch die Seelsorge im Saalachtal  mit der Mutterkirche St. Martin (1190 ?) und  den Filiakirchen in Lofer (1330) und in Unken (1353).  1530 wird das Gotteshaus St. Jakob der Kreuztracht Unken Vikariatskirche, der   zwei Chorherrn des Sifts zugeordnet sind. Ab 1812 ist Unken eine sebständige Pfarre der Erzdiözese Salzburg, jedoch weiterhin mit von Augustiner Chorherrn, (Stift 1803 aufgelöst), als Seelsorger.


Salz in Reichenhall, Holz im Saalachtal

Im Frühmittelalter sind die Salzquellen und Sudhäuser auf Grund von Schenkungen zur Hälfte  Eigentum der Stifte  St. Peter und   Nonnberg. Im Hochmittelalter werden das Domkapitel, die Stifte St. Zeno, Berchtesgaden, Höglwörth und Reichersberg weitere Eigentümer.
1228 (?) einigt sich  Erzbischof Eberhard II.  mit Ludwig I. dem Bayer, als Lehensträger der Grafschaft Reichenhall, über  die Holzbezugsrechte im Saalachtal. Mehrere Sudhäuser sind noch in salzburgischem Besitz.
1285 werden vom EB Rudolf I. und dem Bayernherzog Heinrich XIII. die Rechte an Holz im Saalachtal erneut festgehalten. Holztrift ersrtmals erwähnt.
Ende des 13. Jahrhunderts sind die Bayernherzöge, die Wittelsbacher, alleinige Besitzer der Sudrechte in Reichenhall. Siebzig Pfannen sind in Betrieb und werden mit Holz aus eigenen Schwarzwäldern im Saalachtal versorgt.
1412 beschwert sich Herzog Heinrich XVI. von Bayern beim EB Eberhard IV. dass die Schwarzwälder im Pinzgau durch Einfänge und Schwendungen stark leiden und Herzog Albrecht  V. klagt um 1560 wieder gegenüber  Johann Jakob von Kuen Belasy über das Brennen und Schwenden der Bauern.
Durch den Vertrag von Mühldorf 1525 unter EB Kardinal Matthäus Lang und Herzog Ludwig X. sind die Rechte Bayerns über die Schwarzwälder im Saalchtal endgültig verbrieft.
Im Waldbuch 1529 sind die bayrischen  Schwarz- und Hochwälder im Unkental namentlich genannt. Es sind dies die Wälder Großweißbach, Vorder- und Hinterödenbach, Zwickl, Schwarzbergwald, Fußtal, Hochrudersbach, Brunnbach, Schliefbach, Scheibelberg, Martinsbüchl, Finstertbach und Thürnbacheck.



Schrifttum:

  • Berger Alois, Allgemeiner Überblick über die Geschichte in Unken ab dem Jahre 1137 n. Ch., in: Festschrift 850 Jahre Unken, o. O. o. J. ( Unken 1987)
  • Friedl Josef, Das bäuerliche Unken, Unken 2000
  • Klaar Adalbert
  • Koller
  • Lahnsteiner Josef, Mitterpinzgau. Saalbach, Saalfelden, Lofer, Salzburgisches Saaletal, Hollersbach 1962
  • Lang Johannes, Geschichte von Bad Reichenhall, Neustadt an der Aisch 2009
  • Salzburger Urkundenbücher 1, 2, 3 und IV 1901/